Alte Heimat – neue Heimat

Studioausstellung im Lesesaal des documenta archivs

Vom 10. März bis 22. Mai 2026

Die georgische Filmemacherin Dea Tcholokava verbrachte 2025 als Stipendiatin des Goethe-Institut sechs Monate am documenta archiv in Kassel. Während ihres Aufenthaltes begab sie sich auf die Suche nach den Spuren georgischer Künstlerinnen und Künstler in der Geschichte der documenta. So näherte sie sich zugleich dem vielschichtigen Thema der Migration. 

Im Zentrum der Studioausstellung steht ihr 18-minütiger Filmessay From Countless Sleepless Nights. Darin verwebt sie die Recherche im documenta archiv mit Streifzügen durch die Stadt. Die zufälligen Begegnungen und Beobachtungen hat Dea Tcholokava zu einem filmischen Tagebuch verarbeitet. Entstanden ist eine poetische und zugleich persönliche Reflexion über Fremdheit und Vertrautheit, über Identität, Herkunft, Zugehörigkeit und Koexistenz. Die Auseinandersetzung mit persönlichen Geschichten und Lebenswegen lässt dabei – neben der Kunst der documenta etwa Olui Oguibes Fremdlinge und Flüchtlinge Monument – auch unerwartete Protagonisten in den Vordergrund treten: die Kasseler Waschbären, die nach Einbruch der Dunkelheit in Parks, Gärten und Hinterhöfen aktiv werden und – gewollt oder nicht – längst in der documenta Stadt heimisch geworden sind.  

Ausgehend von den inhaltlichen Motiven wird Tcholokavas Film durch eine Auswahl von Archivmaterialien aus der Geschichte der documenta gerahmt. Auf diese Weise eröffnet die Präsentation einen Dialog zwischen filmischer Recherche und institutionellem Gedächtnis. Präsentiert werden unter anderem Archivalien zu den documenta Beiträgen von Jonas Mekas, Olu Oguibe, Georgij Schengelaia, Pavel Braila oder Hans Haacke.

Über Dea Tcholokava

Die Künstlerin lebt und arbeitet als Filmemacherin in Berlin und Tiflis, Georgien. Sie studierte Politik- und Sozialwissenschaften sowie Filmregie und realisierte in Kooperation mit der Medienplattform Chai Khana mehrere Projekte, darunter die Dokumentarfilme Traffic Diary und Of Kids and Sea. Als Editorin und Regieassistentin arbeitete sie mit renommierten georgischen Regisseurinnen und Regisseuren zusammen. Mit ihren Arbeiten war sie auf namhaften Plattformen und Festivals vertreten. Ihr jüngster Kurz-Dokumentarfilm What Does the Mud Whisper feierte 2025 beim Krakauer Filmfestival Premiere, wurde weltweit auf Festivals wie DOK Leipzig, Camden IFF und DOC NYC gezeigt. Auf dem internationalen Filmfestival Fipadoc in Biarritz wurde sie mit dem Hauptpreis im Kurzfilmwettbewerb ausgezeichnet.

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