Die Stipendiatinnen und Stipendiaten 2026
Mit ihrem Arbeitsvorhaben beweist Karen Hertfelder Gespür und Feingefühl für gesamtgesellschaftliche Prozesse und das kollektive Gefühl kognitiver Dissonanz. Gleichzeitig gelingt ihr die niederschwellige Vermittlung komplexer Themen in konzentrierten Bildern und Erzählungen: globale Zusammenhänge spiegeln sich im scheinbar Alltäglichen. Ihre Arbeit besticht dabei durch eine klare ästhetische Sprache sowie fundierte Recherche, Charme und Liebe fürs Detail. Wir freuen uns auf ein Road-Movie im Comic-Format quer durch die Polykrisen unserer Gegenwart durch die Augen einer eigenwilligen Protagonistin.
Allen Homburgs Arbeitsvorhaben zeigt den Willen, sich künstlerisch intensiv mit der Kriegsgeschichte Kassels auseinanderzusetzen und dies musikalisch experimentell zu verdichten. Im Zentrum eines komplexen Kompositionsprozesses stehen die Raumresonanzen des Luftschutzbunkers am Weinberg, die u. a. mit Instrumentalimprovisationen Anlass und Gegenspieler musikalischer Verarbeitung werden und auf Vinyl dokumentiert werden sollen. Dieses Projekt hat die Jury vollständig überzeugt.
Clarita Phiri-Beierdörffers künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen Fotografie, Archiv und Installation. Sie beschäftigt sich mit Fragen von Erinnerung, Zugehörigkeit und visueller Selbstdarstellung – insbesondere in postkolonialen Kontexten. Mit dem Nachwuchsstipendium wird sie an einem Forschungsprojekt arbeiten, das die körperlichen und sozialen Praktiken untersucht, die dem fotografischen Akt in Zambia vorausgehen. Clarita Phiri-Beierdörffer überzeugte die Jury mit ihrer durchdachten Idee und ihrer klaren künstlerischen Handschrift.
Als Theaterpädagogin ist Lidia Schwagerus bereits seit einigen Jahren in Kassel aktiv und zeigt in zahlreichen Projekten ein feines Gespür dafür, kollektive Prozesse präzise zu strukturieren und dringende feministische Anliegen zugänglich und sinnlich erfahrbar zu machen. Mareike Fallwickels Roman „Die Wut, die bleibt” soll nun Ausgangspunkt einer Inszenierung werden, die weibliche Wut als kollektive, politische Kraft sichtbar macht, sie körperlich und sprachlich transformiert und das Private radikal als politische Realität erfahrbar werden lässt. Der erstmalige Fokus auf den literarischen Stoff und die eigenständige Regiearbeit eröffnet in Schwagerus’ Praxis eine neue künstlerische Phase, die die Jury besonders überzeugt hat.
Formal und ästhetisch überzeugend inszeniert Johan Steinmetz Objekte, Film und Fotografie als Träger von Erinnerungen und Markierungen innerer Zustände. Im Zusammenspiel von Dekonstruktion und Transformation werden Zeitlichkeit und Momente des Übergangs untersucht. Steinmetzs Rauminstallationen stellen assoziative und zugleich präzise komponierte Beziehungen her. Obwohl in den Inszenierungen seine persönliche Geschichte nachhallt, bieten sie Raum für die eigene Interpretation.